Die Reise durch das Ingurital
Von Senaki erreicht man Sugdidi über eine breite Chaussee. Man fährt vorbei an typisch migrelischen Wohnhäusern, mit gewundenen Aussentreppen und grossen Balkonen, die inmitten von Obstgärten und Maisfeldern stehen. Die Ebene ist dünn besiedelt und sehr fruchtbar. Von den einst blühenden Industrieorten sind bloss marode Wohnblöcke und gespenstische Fabrikenbauten übrig. Letztere werden nach und nach abgetragen und als Baumaterial wieder verwendet.
Sugdidi ist der letzte grössere Ort vor dem Aufstieg ins Ingurital, dem Haupttal von Swanetien. Auf dem Markt gibt es einen Treffpunkt für Reisende von und nach Swanetien. Es ist wichtig, hier gutes Benzin zu tanken und einen Vorrat davon mitzunehmen, sowie Mehl, Zucker, Wodka und Melonen für die Gastgeber einzukaufen.
Da bei der Fahrt mehrfach Kontrollposten der "Gelbmützen" zu passieren sind, ist es sinnvoll erfahrene georgische oder swanetische Führer zu haben. Es handelt sich um russische und armenische Friedenstruppen, die das Gebiet des von Georgien abtrünnigen Abchasien grossräumig kontrollieren. Seit November 2003 ist die Sicherheitssituation wesentlich besser.
Die Fahrt führt vorerst durch die von der reichen subtrobpischen Vegetation geprägten Ebene, entlang den berühmten Schwarzteeplantagen in Richtung Norden hin zum immer näher rückenden Kaukasusgebirge. Hier erreicht man eine Passtrasse und erblickt die gewaltige Staumauer des Inguriflusses und das grösste Wasserkraftwerk des Landes.
Die Schweiz hat nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einen bedeutenden finanziellen Beitrag zur Sanierung dieser Mauer geleistet.
Die Weiterfahrt auf der schmalen Naturstrasse ist einsam und kurvenreich. Zuerst führt sie dem Inguristausee entlang, dessen steile Talseiten dicht bewaldet sind. Ab und zu stehen alte, mächtige Bagger bereit, um die Brocken wegzuräumen, falls ein Felssturz die Strasse blockieren sollte.
Der Ingurifluss hat sich zum Teil tief eingefressen und das Tal wird zur Schlucht. Selten öffnet es sich, einmal passiert man ein Dorf, dessen Bewohner mit Holzschlag ihre Existenz bestreiten. Ganz selten findet sich ein einsamer Bauernhof, einmal ein verlassener Steinbruch. Die ganze Aufmerksamkeit jedoch gehört der Strasse. Der Fahrer braucht Geduld und Geschicklichkeit, um die Schlaglöcher, die Rutschkegel und die abbrechenden Stellen zu umfahren. Für die rund 150 Kilometer nach Mestia benötigt man fünf Fahrstunden. Es ist ein erlösender Moment, wenn Mestia, der Hauptort Swanetiens, mit seinen imposanten Familientürmen im breiten Talkessel erscheint.